Sag niemals, nie! | Wie ich meine Flugangst überwunden habe

Ich nutze wirklich jede Gelegenheit um in ein Flugzeug zu steigen, selbst wenn es nur eine Städtereise nach Berlin ist. Sobald ich fliegen kann, buche ich! Doch vor ein paar Jahren sah das noch ganz anders aus…

Köln 2005. Um noch ein bisschen die Vorfreude auf unseren Urlaub zu erhöhen, hatten wir unsere Koffer beim Late Night Check In abgegeben, das macht den Abreisetag viel entspannter, weil man sich nicht in die riesige Schlange stellen muss. Das ganze Gepäck hätte mit uns zusammen aber auch nicht in Opa´s Auto gepasst. Um uns ein wenig die Zeit im Flughafengelände zu vertreiben, waren wir trotzdem zwei Stunden vor Abflug dort.

Wir schlenderten durch den Duty Free Shop, sprangen kurz bei Starbucks rein und machten uns dann auf den Weg zum Abflugsteig C. Es war 09.50 Uhr als ich im Gate am Flughafen Köln/Bonn saß. Vielleicht war mir ein bisschen mulmig, weil ich das letzte Mal vor 10 Jahren in einem Flugzeug gesessen habe und da war ich gerade mal 7 Jahre alt. Das ich eine halbe Stunde später mein Ticket abgebe und fluchtartig die Fluggastbrücke verlassen werde, wusste ich da noch nicht.

„Sehr geehrte Fluggäste, Ihr Flug Nr. X3… nach Antalya ist nun zum Einstieg bereit. Bitte begeben Sie sich zum Ausgang C43 und halten Sie Ihre Bordkarten bereit. Wir wünschen Ihnen einen guten Flug….“

Mein Puls ging sofort in die Höhe. Die ersten Fluggäste standen schon in der Schlange. Mir wurde schlecht, dann heiß und wieder kalt. Die Hälfte der Fluggäste waren schon eingestiegen. Wir standen ganz hinten an. Die Fluggastbrücke war aus Glas und ich konnte deutlich sehen, dass es keinen Ausweg gibt, wenn ich es mir doch nochmal anders überlegen würde. Ich bekam Panik.„Hier Papa, mein Ticket! Ich kann das nicht, ich steige da niemals ein, ihr müsst alleine in den Urlaub fliegen!“ und so stürmte ich schweißgebadet an dem erschrockenen Gesicht meiner Mutter vorbei. Meinen Bruder habe ich in diesem Moment gar nicht wahr genommen aber ich kann mir vorstellen, dass er ein bisschen gelacht hat. „Hol sie zurück!“ hörte ich meine Mutter rufen.

Und da kam er schon…mein Superdad um mich von meiner Panikattacke zu befreien. „Och, Gianni“ sagte er und drückte mich fest. „Das ist alles halb so wild! Wenn wir erstmal im Urlaub sind, wirst du darüber lachen.“ „Aber ich habe so eine Angst, Papa.“ Und plötzlich standen wir schon vor der Flugzeugtür, ich weiß nicht wie er das gemacht hat aber ich habe in diesem Moment nicht bemerkt, dass wir längst wieder auf dem Weg ins Flugzeug waren. Besorgt schauten mich die zwei Flugbegleiterinnen an und fragten meinen Vater ob alles in Ordnung sei. „Sie hat nur ein bisschen Angst.“ Ein bisschen ist gut…als wir unseren Platz suchten, sah ich meinen Bruder schon breit grinsend auf seinem Platz sitzen. Irgendwie fanden wir es schon immer lustig, wenn der andere vor irgendetwas Angst hatte.

Mein Vater hatte einen Fensterplatz erwischt und sich riesig darüber gefreut. „Papa, kannst Du das Rollo bitte runtermachen, ich habe sonst noch mehr Angst!“ Der Arme! 😀 Eine ältere Dame nahm neben mir Platz. Sie war sehr freundlich und wickelte mich in ein Gespräch.

„Wir sind nun Startbereit und bitten Sie die Rückenlehnen Ihrer Sitze senkrecht zu stellen und die Tische vor sich zurückzuklappen.Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Wir wünschen Ihnen einen schönen Flug mit uns.“

Das Flugzeug rollte auf die Startbahn. Mein Vater hielt meine Hand fest. Ich vergewisserte mich mit der anderen, dass ich auch wirklich eine Tüte in meinem Sitz habe, falls mir jetzt gleich unglaublich schlecht werden sollte. Mein Herz schlug so schnell, dass es sich angefühlt hat als würde es mir gleich aus der Brust fallen. Die ältere Dame sah mich an und nahm meine andere Hand „Ich habe übrigens auch Flugangst.“

Und so wurde ich in meinen Flugsitz gepresst, an der einen Hand meinen Vater, an der anderen eine unbekannte Frau, die mir zusätzlich half meine Flugangst zu überwinden und es geschafft hat. <3 Danke!

Heute ist das fliegen für mich mitunter das schönste an einer Reise und ich buche inzwischen sogar Kurzstrecken. Selbst die Flüge mit Turbulenzen schocken mich nicht mehr, sondern ich empfinde sie als aufregend. 😀 Wenn ich daran denke, was ich alles verpasst hätte, wenn ich mich dafür entschieden hätte nicht in dieses Flugzeug zu steigen, dann überlege ich wirklich, ob wir alle nicht viel öfter mal einen Mutanfall haben sollten! 🙂

Mit diesem Beitrag nehme ich an der Blogparade „Sag niemals nie“ teil, die von Ariane auf ihrem Blog Heldenwetter gestartet wurde. Wenn ihr mehr zu diesem Thema lesen möchtet, schaut euch mal den Blog von Melanie und Thomas an. Dort gibt es auch einen sehr interessanten Beitrag, der unter anderem auch etwas mit Flugangst zu tun hat.

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4 thoughts on “Sag niemals, nie! | Wie ich meine Flugangst überwunden habe

  1. Vielen lieben Dank für den schönen Beitrag zu meiner Blogparade 🙂 Freut mich, dass du deine Flugangst überwinden konntest!

  2. Ich habe im Tunnel garnicht gelacht. Ich hatte selber etwas angst und du hast micH verunsichert mit deiner Aktion. Im Flugzeug fand ich es evtl wirklich etwas lustig

    1. Das war keine Aktion 😀 Ich hatte mega Panik 😀

  3. Hey Gianna 🙂 Sehr schöner Artikel… auch ich habe Flugangst, aber ich weiß genau was du meinst: wenn man nicht fliegen würde, dann würde man ja so viele schöne dinge verpassen. das macht auch keinen sinn 🙂 auf meinem blog habe ich eine Artikelreihe über Flugangst veröffentlicht und was man noch dagegen tun kann…vielleicht kennst du die ja schon 🙂

    liebe grüße

    Vanessa

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