Der erste Kuss I Nostalgiemomente

Freitag. 13.30h die Schule ist endlich aus. Wir packen unsere Sachen und fahren auf die Autobahn. Eine Stunde und dreißig Minuten, wenn wir besonders gut über die A61 Richtung Koblenz gekommen sind, schaffen wir es auch fünfzehn Minuten eher, an den gelben Häusern zu sein. Die gelben Häuser waren der Anhaltspunkt für meinen Bruder und mich, denn von dort aus waren es nur noch acht Minuten bis wir ankommen. Eigentlich waren es nur leerstehende, teilweise auch kaputte Häuser auf einem ungenutzten Platz. Nur noch zweimal rechts abbiegen, dann waren wir im Feriendorf. Im Winter 1995 kauften meine Eltern hier einen Campingwagen mit Vorzelt. Wir hatten zwar einen kleinen Garten am Haus aber dadurch, dass wir in einem Generationshaus gewohnt haben, brauchten wir einen Zufluchtsort um auch mal zur Ruhe zu kommen.

Die meisten machen ihren Campingwagen zum Ende der Saison Winterfest und kommen erst im Frühjahr wieder. Es lag unglaublich viel Schnee und wir waren fast alleine auf dem Campingplatz. Ob es hier andere Kinder gibt und wer neben uns wohnt, wussten wir nicht. Bei unserem Nachbarn stand eine eingefrorene Glasflasche. Wochenlang. Und immer fragten wir uns, wer dort wohl wohnen könnte. Jeden Freitag fuhren wir hier hin, bauten Schneemänner, fuhren mit dem Schlitten und genossen unser Wochenende.

Im Frühjahr 1996 bemerkte ich irgendwann, dass die Glasflasche nicht mehr an der gleichen Stelle stand. „Mama, da war bestimmt jemand.“ erzählte ich ihr aufgeregt. Neben uns wohnten zwei Kinder! Dani und Robin. Dani war so alt wie ich. Wir wurden schnell Freunde. Von Wochenende zu Wochenende wurde es immer voller auf dem Campingplatz. Es kamen immer mehr Kinder und wir verbrachten teilweise die kompletten Ferien hier. Wir bauten Baumhäuser, gingen schwimmen, schliefen in unseren eigenen Zelten und versammelten uns grundsätzlich bei der Mutter, die gerade auf die Idee kam Waffeln zu machen.

Die Jahre vergingen und wir wurden älter, manche verkauften ihre Wohnwagen, neue Kinder kamen dazu, die alten Freundschaften wurden immer fester, wir kamen gemeinsam in die Pubertät und irgendwann kam das erste Herzklopfen. Ich kann mich nicht erinnern wann genau der Moment war, als ich das erste Mal bemerkt hatte, dass ich ein bisschen verliebt in Dani war. Dani war immer mein Lieblingsfreund gewesen. Wir spielten zusammen Nintendo, schauten stundenlang Fernsehen. Seine Füßen wippten dabei immer auf und ab. Er hatte glattes blondes Haar und ein schmales Gesicht. Ich mochte sein lächeln. Er war für mich unvergleichbar und wunderschön.

An diesem einen Tag war alles anders. Es regnete und wir konnten nichts unternehmen. Unsere Eltern spielten Karten in dem Restaurant das sich auf dem Campingplatz befand. Dani und ich schauten Fern und teilten uns wie immer den Platz auf der kleinen Couch. Unsere Fingerspitzen berührten sich, mein Herz schlug mir bis zum Hals. Das ging stundenlang so. Irgendwann sahen wir uns an und ich spürte seinen Atem auf meiner Haut. Die Zeit blieb stehen. Ich sah nichts. Ich hörte nichts. Wir sagten nichts. Wie in Zeitlupe bewegten sich unsere Lippen aufeinander zu. Da war er nun, der erste Kuss!

Von da an fuhr ich jedes Wochenende mit Herzklopfen in die Eifel. Damals gab es noch kein Handy oder Internet. Wir wussten nie, ob der andere an diesem Wochenende auf dem Campingplatz sein wird oder nicht. Doch wenn, dann waren wir unzertrennlich. Wir teilten uns ein Zelt, obwohl jeder sein eigenes aufgebaut hatte. Wir schauten stundenlang Fernseh, ohne ein Wort zu sagen. Wir waren einfach verliebt. Von Freitag bis Sonntag oder die ganzen Ferien lang.

Eine richtige Beziehung hatten wir nie, dafür waren wir zu jung und hatten überhaupt keine Ahnung wie das funktionieren sollte. In dem Alter sind 50km eine ziemlich weite Entfernung. Mit Ende 15 sahen wir uns immer seltener, die Nachrichten auf meinem neuen Nokia 5110 wurden immer weniger. Obwohl ich genug Speicherkapazität hatte, blieben sie irgendwann ganz aus. Wir lebten in verschiedenen Welten, hatten neue Freundeskreise. Man hing an den Wochenenden lieber zu Hause ab und es war uncool mit den Eltern ins Feriendorf zu fahren. Wir Kinder, waren plötzlich groß. Freundschaften die mit 6 Jahren begonnen hatten, endeten 10 Jahre später. Hin und wieder fuhr ich mit und stellte fest, dass die meisten Eltern aus unserer Clique die Wohnwagen verkauft hatten.

Ein Jahr später verkauften wir auch. Der einzige der seinen Wohnwagen noch hat, ist der Vater von Dani. Manchmal fahren mein Bruder und ich hin, um uns unsere Erinnerungen zurück zu holen. Ich kann mir keine bessere Kindheit vorstellen. Wenn ich dort bin, sehe ich alles nochmal vor mir. Das erste Biermischgetränk, die Baumhäuser, echte Freundschaften, der erste Kuss, die große Liebe unserer kleinen Herzen. Die Bilder trage ich tief im Inneren. Es ist eine Erinnerung, an eine wirklich schöne Zeit.

Danke Mama und Papa, dass ihr uns so eine tolle Kindheit geschenkt habt. 🙂

Eure Gianna

PS: Mit diesem Beitrag nehme ich übrigens an der Blogparade „Nostalgiemoment“ teil, die von der lieben Imme auf ihrem Blog Sprotten Stories gestartet wurde. Wenn ihr mehr zu diesem Thema lesen möchtest, schaut euch mal ihren Blog an, dort findest ihr bald auch noch ein paar andere Nostalgiemomente. 🙂

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